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KÖRPER

HAUCH
DER
EXISTENZ

Die Präsenz des Körpers ist in seiner Erscheinung nicht nur jene Gestalt in der sich vielfältige anatomische Prozesse hermetisch vereinigen, sondern er ist zugleich auch jenes Gebilde, welches diffundierend in ökologische Reaktionen eingebunden ist. Die heterogene Topografie des Körpers verbindet einerseits ein Faszinosum und andererseits ist der Körper ein Schlachtfeld des Diskurses bezüglich Ästhetik und Lifestyle. Kulturgeschichtlich fungiert der Körper nach wie vor als Medium, wodurch nicht visualisierbare Phänomene wie Emotionen und historisch-gesellschaftliche Entwicklungen präsentiert, dokumentiert sowie inszeniert werden. Der Körper als Medium repräsentiert Stadien der Entwicklung gesellschaftlicher wie individueller Statements. In diesem Sinne ist Körperlichkeit zugleich eine Artikulation von politischem Verständnis und sexueller Präferenzen in Form von Selbstakzeptanz, Selbsterkundung, Toleranz und Protest gegenüber medialer und soziokultureller Maßstäbe wie auch deren Unterwerfung. Der eigene Körper als modellierbares Ich, das die eigene Selbstwertschätzung in eine uniformierte phänotypische Langweiligkeit driften lässt, eine individuelle Authentizität nur in modelhaften konsumierbaren Schablonen propagiert, aber einer tatsächlichen vielfältigen körperlichen Ästhetik und ihrer Besonderheit hinsichtlich einer wahren individuellen Authentizität in Form einer Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit keinen Raum lässt. Körper als Prozess der Eingravierung des Zeitlichen zu verstehen, zwischen Geburt und Tod, Entstehung und Verfall, Formung und Verformung, Selbstfindung und Selbstverleumdung, stößt auf berechtigte Kritik, deren Ignoranz gegenüber der Vielfältigkeit körperlicher Erscheinung entgegen gehalten werden muss.